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OTHELLO
nach Shakespeare | Premiere 4. Februar 2016 | Rottstr5 Theater Bochum
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Die Bühne in der dunklen Rottstraßen-Höhle ist geflutet – knöcheltief steht Wasser in einem rechteckigen Pool, um den man zwar herumspielen kann, der aber oft genug als Planschbecken für die Schauspieler dient. [...] Im proletarischen Bochum, gibt es kein Schickimicki. Auch kein Venedig und keinen Zypern- Krieg - nicht einmal einen Feldherrn. Nur ein junges, glücklich verliebtes Paar. [...] Doch warum zitterte Othello zu Beginn am ganzen Leibe? Und wer ist diese Figur, die zusammengekauert in der Ecke sitzt und uns den Rücken zuwendet? In den Stunden des Glücks hat diese Figur keine Macht. Jago (Dirk Hermann) beginnt früh, der fleischlichen Lust und der Polygamie das Wort zu reden; zügig und umstandslos geht die Denunzierung Cassios vonstatten. Doch solange Othello und Desdemona immun sind gegen Jagos Sticheleien und Intrigen, bleibt Tim-Fabian Hoffmanns rätselhafte Figur stumm und abgewandt. Doch schließlich gehen die Zweifel, die Jago sät, auf. Da erwacht das Wesen, das die dunkle Seite der Liebe verkörpert. Noch waren Eifersucht und Zweifel verkapselt, doch nun krabbelt Hoffmann auf Lampert zu, und in physischem Kampf ringt Othello mit dem, was ihn da ankriecht.
Was Hoffmann und Lampert darstellen, ist ein Spiel mit der sich wandelnden Identität. Liebe träumt sich in jede Wüste, wie es bei Schiller heißt, aber nicht nur Herrschsucht, sondern auch Eifersucht zertrümmert die Welt in ein rasselndes Kettenhaus. Und sie verwandelt den Menschen bis zur Unkenntlichkeit. Konstanze Kappenstein hat Shakespeares Text auf gut 80 Minuten zusammengestrichen und bis auf das Protagonisten-Paar und den Intrigen-Schmied alle Figuren gestrichen – aber sie hat die Kernsätze zur Identität im Text belassen. „Gut wär’s, wenn die Menschen so wären wie sie scheinen“, spottet Jago. [...] Vielleicht ist es ja das, was unseren Zweifel nährt und damit alle zwischenmenschlichen Probleme auslöst: dass wir selbst dann, wenn wir es gut meinen, selten so sind wie wir scheinen … So hat denn Konstanze Kappenstein den alten Othello auf überzeugende Weise ins Heute geholt. Sie lässt ihn spielen in einer Mischung aus exzellent vorgetragener klassischer Übersetzung und moderner Umgangssprache und mit einem Personal, dass man jederzeit auch im benachbarten Bochumer Bermuda3eck antreffen könnte. Dass man sich dort in Desdemona verlieben könnte und diese rund um den Bochumer Hauptbahnhof die reinsten Eifersuchtsdramen auslösen würde, mag man angesichts der kecken Powerfrau, die die junge Aischa-Lina Löbbert an der Rottstraße darstellt, unbesehen glauben. Am Ende aber ist Desdemona nicht nur physisch tot, sondern längst psychisch zerstört. „Ich denke, jetzt müsste große Finsternis sein“, sagt nun wieder Othello 1. „Es ist die Schuld des Mondes. Er kommt der Erde näher als er pflegt und macht die Menschen toll.“ Das ist dann wieder Shakespeare. Toll macht nicht der Mond, sondern die gespaltene oder instabile Persönlichkeit. Toll macht der Mangel an Vertrauen. Und toll sind Textfassung und Spiel im Theater an der Rottstraße.

                                                                    Dietmar Zimmermann
                                                                                    Theater Pur


Konstanze Kappensteins Deutung von Shakespeares „Othello“ feierte im ausverkauften Theater an der Rottstraße eine beglückende Premiere. Wenn auch Shakespeare- Enthusiasten stellenweise geglaubt haben müssen, ein anderes Stück zu sehen. Denn in Kappensteins Inszenierung ist Othello weder Feldherr noch von schwarzer Hautfarbe. Der „Mohr von Venedig“, so der Untertitel der auf 1603/04 datierten Tragödie, ist Anführer einer Bande, die Tätigkeiten nachgeht, die nicht näher beleuchtet werden. Beleuchtet werden sie nicht näher, weil das völlig egal ist. Ebenso wie Othellos Hautfarbe. Die junge Regisseurin reduziert den Stoff aufs Wesentliche: Neid, Habgier, Eifersucht, Liebe, Misstrauen – also jene menschlichen Eigenschaften, die das Leben so spannend und abwechslungsreich machen. Othello ist mit Desdemona verheiratet. Sein bester Freund Jago ist aber auch scharf auf die Braut und dichtet ihr ein Verhältnis mit Cassio an. Zunächst glaubt Othello Jago nicht, doch der Wurm des Zweifels hat sich schon in seine treuherzige Seele gebohrt. Zum Schluss sind alle tot, nur der hinterlistige Jago triumphiert. Wie hatte er schon vorher erklärt: „Lieber klug als ehrlich.“ Kappenstein hat den Text zum Teil völlig neu geschrieben. „Verdammte Hacke“ lässt sie Desdemona sagen, als sie Othello bittet, Cassio zu verzeihen. [...] Es ist ein guter Text. Zudem verfügt die Regisseurin über gute Schauspieler. Aischa-Lina Löbbert als Desdemona zwischen laszivem Luder und ehelicher Kuscheldecke, der gewohnt starke Felix Lampert in der Rolle des Othello zwischen Virilität und Naivität. Tim- Fabian Hoffmann als still dräuende Zwietracht. „Star“ des Abends ist aber Dirk Hermann als heimtückischer Jago; seine bedrohliche Präsenz erinnert an den Filmschauspieler André Hennicke. Alle waren zudem extrem textsicher. Begeistertes Publikum, acht Vorhänge.                                                                                
                                                                      Marcus Römer                                                                                                   WAZ


In den letzten Jahrzehnten ist Shakespeares Tragödie „Othello“ häufig auch als Auseinandersetzung mit Rassismus inszeniert worden. Regisseurin Konstanze Kappenstein verzichtet in ihrer sehr freien Interpretation des Stoffes auf eine solche Aktualisierung, indem sie die Titelrolle nicht mit einem Farbigen besetzt. Felix Lampert ist am Rottstr5-Theater als Othello zu sehen. Einige Figuren und ganze Handlungsstränge fallen unter den Tisch. Dadurch entsteht eine hochkonzentrierte Version des Dramas, die sich den Themen gekränkte Eitelkeit und Manipulation widmet. In Tim-Fabian Hoffmanns Part fließen verschiedene Figuren der Spielvorlage zusammen. Zugleich lässt er sich als Alter Ego Jagos verstehen, der von Dirk Hermann gespielt wird. Jago sieht seine Verdienste von seinem Vorgesetzten Othello nicht ausreichend gewürdigt und sinnt auf Rache. Er kennt Othellos wunden Punkt – dessen Ehefrau Desdemona. Aischa-Lina Löbbert füllt diese Rolle mit Temperament und Sinnlichkeit aus. Die wohl gängigste Shakespeare-Übersetzung von Schlegel und Tieck ist um 1800 entstanden. Die Sprache dieser Zeit wird auch an der Rottstraße aufgegriffen, aber immer wieder durch moderne Wendungen verfremdet. So entsteht ein komplexes dramatisches Geflecht über bittere Enttäuschung und Rachsucht, über Selbststeuerung und Kontrollverlust. – Sehenswert.                                                                           

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REGIE

OTHELLO
JAGO
DESDEMONA

&
Konstanze Kappenstein

Felix Lampert
Dirk Hermann
Aischa-Lina Löbbert
Tim-Fabian Hoffmann