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EIN PFUND FLEISCH
Albert Ostermaier | Premiere 11. Dezember 2014 | Euro Theater Central Bonn
REGIE
BÜHNE & KOSTÜM
DRAMATURGIE

Antonio
Shylock
Tubal / Bassanio
Jessica /Portia / Gratiano
Konstanze Kappenstein
Ulrike Fischer

Nikolaus Büchel
Mark Zak
Frank Musekamp
Jana Reiß
Die Bankenwelt ist obsolet“ weiß Portia. Geld fließt über Clouds und Universal Payment System Knots. Als großes Computerspiel begreifen sie und Bassanio den Handel mit Kapital.
Wer viele gute Geschäfte gemacht hat, der hat Anspruch auf Unsterblichkeit: Das Gehirn wird komplett gescannt und als Avatar ins Web gestellt.“ Der Kaufmann Antonio versteht die Gesetze des Netzes nicht mehr. Er liebt Bassanio, der Geld braucht, um Portia zu erobern. Antonio nimmt einen kurzfristigen Kredit auf beim jüdischen Wertpapierhändler Shylock, der ihm dafür im Fall der Insolvenz ein Pfund Fleisch aus dem Christenleib schneiden darf.
Ein Pfund Fleisch“ heißt das 2012 am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführte Stück des vielfach ausgezeichneten Autors Albert Ostermaier. Shakespeares Komödie Der Kaufmann von Venedig“ liefert wie bei Elfriede Jelineks Die Kontrakte des Kaufmanns“ die Grundlage für die allfällige Kapitalismuskritik, die auf deutschen Bühnen mittlerweile eher Gähnreflexe auslöst. Wenn sie nicht so frech und intelligent in Szene gesetzt wird wie jetzt von der jungen Regisseurin Konstanze Kappenstein am Euro Theater Central. Sie führt die objektive Virtualität des Geldes spielerisch parallel mit der subjektiven Sinnlichkeit der Körper. Zwei aufgeblasene weiße Hotspot-Pools (Ausstattung: Simone Steinhorst) sind der Spielplatz für die Börsenhaie. Per Video eingespielt werden Bilder von den runden weißen Inseln der Frankfurter Börse, auf denen über Aufstieg und Fall der Aktienkurse entschieden wird. Als Bassanio saust Frank Musekamp auf Rollschuhen durch die enge Szenerie, wenn er nicht gerade den blonden Tubal spielt, Shylocks Freund und Verbündeter von dessen Tochter Jessica. Jana Reiß ist quasi deren Facebook-Inkarnation, mal die coole Spekulantin Portia, mal der sportlich grün gewandete Gratiano im Gefolge Antonios. Die neue Generation hebelt das System der älteren aus. Gefühle sind Nebensache im Spiel um Winner-Punkte, die alle Werte ersetzt haben. Portias Kästchen-Rätsel ist allenfalls noch ein perfides Hütchen-Spiel, mit dem sie alle reinlegt. Flash-Crash in Millisekunden, Papa gegen den Lover ihres Lovers Dollardildo statt Sex.
Aus Fleisch und Blut sind dagegen noch Mark Zak als ernsthaft sein Recht behauptender Shylock und vor allem Nikolaus Büchel als Antonio mit Shakespearescher Fallhöhe. Das schnöde aufgespießte Herz eines Anderen ist nur der Beginn des absurden Endspiels, das die Herren unter sich ausmachen. Gierig nach lukrativen Hedgefonds-Anteilen und dem pochenden Organ, das Antonio seinem Geschäftsfeind nach gut 100 hochdramatischen, mit bitter-komischem Sarkasmus gewürzten Minuten freiwillig selbst überlässt. Ein schmerzhafter Scherz, dem der Jude nur noch eins entgegenhalten kann: Wie schafft ihr es, euch vom Täter flugs zum Opfer zu stilisieren? Eine zynisch bissige Komödie, bei der das Lachen ziemlich tief im Hals stecken bleibt.

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